Karte vergleicht Kosten von Verlagsbetrieb und Agenturmodell mit Beispielzahlen
Bild: Medienbeilage

Verlagsbetrieb

Teil von Verlagsbetrieb planen: Prozesse, Kosten und Kennzahlen für kleine Verlage

Verlagsbetrieb oder Agenturmodell: Kosten und Prozesse im Vergleich

Verlagsbetrieb oder Agenturmodell: fünf Kostenpositionen mit Beispielbeträgen, Rechenbeispiel und Prozessunterschiede bei Entscheidungswegen und Skalierung.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Der eigene Verlagsbetrieb erzeugt Fixkosten, das Agenturmodell variable Entgelte.
  • Fünf Kostenblöcke entscheidenPersonal, Technik, Vertrieb, Marketing und Verwaltung.
  • Agenturen skalieren schneller, der Eigenbetrieb steuert Marke und Rechte direkter.
  • Ein Rechenbeispiel zeigt für ein Fachmedienhaus eine Differenz von 585.000 Euro pro Jahr.
  • Mischformen aus Kernredaktion und ausgelagerter Produktion sind in Fachmedien verbreitet.

Fünf Kostenpositionen mit Beispielbeträgen

Die folgenden Zahlen sind Beispielwerte für ein Fachmedienhaus mit 18 Beschäftigten, 4,5 Millionen Euro Umsatz pro Jahr und einem Print- und Digitalportfolio. Alle Beträge sind Nettowerte ohne Umsatzsteuer. Bei 19 Prozent Umsatzsteuer entsprechen 60.000 Euro netto 71.400 Euro brutto.

Fünf Kostenblöcke im Vergleich

Eigener Verlagsbetrieb

Personal
1.150.000 Euro
Technik
180.000 Euro
Vertrieb
320.000 Euro
Marketing
210.000 Euro
Verwaltung
140.000 Euro

Agenturmodell

Personal
Honorar nach Leistung
Technik
45.000 Euro
Vertrieb
260.000 Euro plus Provision
Marketing
150.000 Euro
Verwaltung
60.000 Euro

Eigener Verlagsbetrieb

Personal
1.150.000 Euro pro Jahr
Technik
180.000 Euro pro Jahr
Vertrieb
320.000 Euro pro Jahr
Marketing
210.000 Euro pro Jahr
Verwaltung
140.000 Euro pro Jahr

Agenturmodell

Personal
kein eigenes Personal, Honorar nach Leistung
Technik
45.000 Euro pro Jahr für Schnittstellen
Vertrieb
260.000 Euro pro Jahr plus Provision
Marketing
150.000 Euro pro Jahr
Verwaltung
60.000 Euro pro Jahr

Personal bildet den größten Einzelposten, weil Gehälter und Sozialabgaben auch bei schwacher Auslastung weiterlaufen. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht dazu Verdienste nach Branchen und Berufen, gegliedert unter anderem nach Tätigkeiten in Verlagen und Medienhäusern.

Bei der Technik stehen CMS, Abo-Verwaltung und Adserver im Mittelpunkt. Bitkom veröffentlicht unter Märkte und Technologien Daten zu IT-Ausgaben und Cloud-Nutzung in Deutschland. Im Agenturmodell entfallen eigene Lizenzen weitgehend, dafür entstehen Schnittstellenkosten.

Vertrieb, Marketing und Verwaltung reagieren stärker auf den Auftragsbestand. Ein eigener Außendienst kostet unabhängig von Abschlüssen, eine Agentur rechnet Teile über Provisionen ab. Das Statistische Bundesamt weist Kosten- und Umsatzstrukturen für Dienstleistungsunternehmen aus, darunter auch Verlagsdienstleistungen.

In der Praxis mischen viele Häuser die Modelle. Branchenverbände wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der BDZV erheben regelmäßig Zahlen zu Kosten und Erlösen ihrer Mitglieder, die als Vergleichsmaßstab dienen können.

Beispielrechnung: Eigenbetrieb gegen Agenturmodell

Die Rechnung unterstellt dieselbe Leistung: 12 Printausgaben, eine Website, ein Newsletter und der Anzeigenverkauf. Im Eigenbetrieb summieren sich die fünf Blöcke auf 2.000.000 Euro netto pro Jahr. Im Agenturmodell kommen 515.000 Euro für Technik, Vertrieb, Marketing und Verwaltung sowie ein Honorar von 900.000 Euro für Redaktion und Produktion zusammen.

Daraus ergibt sich eine Differenz von 585.000 Euro pro Jahr, bezogen auf 4,5 Millionen Euro Umsatz also rund 13 Prozent. Der Betrag ist keine Ersparnis im engeren Sinn: Im Eigenbetrieb bleiben Rechte, Daten und Kundenbeziehungen im Haus, während die Agentur Know-how und Personal stellt.

Bei 20 Prozent höherem Anzeigenvolumen steigen die Agenturkosten über Provisionen mit, die Eigenkosten bleiben weitgehend gleich. Bei rückläufigem Volumen kehrt sich der Effekt um. Die Differenz von 585.000 Euro gilt nur für das beschriebene Volumen.

Prozesse: Entscheidungswege und Skalierung

Entscheidungswege unterscheiden sich deutlich. Im eigenen Betrieb laufen Abstimmungen zwischen Redaktion, Anzeigenleitung und Geschäftsführung über feste Runden, dafür entfallen Briefing- und Freigabeschleifen mit einem Dienstleister. Agenturmodelle arbeiten mit definierten Service-Leveln und festen Ansprechpartnern, brauchen aber klare Briefings.

Skalierung folgt einer anderen Logik. Eine Agentur kann ein neues Produkt in wenigen Wochen besetzen und Kapazität später zurückfahren. Der eigene Betrieb muss Stellen besetzen, einarbeiten und bei Rückgang sozialverträglich abbauen. Für Digitalvorhaben nennt die KfW Förderprogramme für Innovation und Digitalisierung, die vor der Auftragsvergabe geprüft werden sollten.

Qualitätssicherung unterscheidet sich ebenfalls. Agenturen liefern nach Abnahmekriterien, der eigene Betrieb verantwortet Fehler selbst und kann Korrekturen kurzfristig einsteuern. Beide Wege brauchen eine belastbare Planung der Stückzahlen und Erlöse.

Versteckte Kosten und Übergangsaufwand

Beide Modelle verursachen Übergangskosten, die in keiner der fünf Positionen auftauchen. Ein Wechsel zur Agentur erfordert Datenmigration, neue Schnittstellen und Einarbeitung der Dienstleister. Der Aufbau eines eigenen Betriebs kostet Recruiting, Onboarding und Technikbeschaffung.

Hinzu kommen Qualitäts- und Markenrisiken. Eine Agentur betreut mehrere Auftraggeber, verlagsspezifisches Wissen wächst langsamer. Der eigene Betrieb baut dieses Wissen auf, trägt aber auch das Risiko von Überkapazität bei Auftragsrückgang.

Kriterien für die Make-or-Buy-Entscheidung

  • Volumen prüfenWie viele Seiten, Titel und Kampagnen fallen pro Monat an?
  • Steuerungsbedarf klärenWie nah müssen Redaktion und Anzeigenverkauf am Markt arbeiten?
  • Datenlage bewertenWo liegen Abodaten, Nutzungszahlen und Kundendaten künftig?
  • Ausstiegskosten kalkulierenWas kostet der Wechsel zurück in den Eigenbetrieb?

Häufige Fragen

Was kostet ein eigener Verlagsbetrieb pro Jahr?

Im Beispiel liegen die fünf Kostenblöcke bei 2.000.000 Euro netto pro Jahr, bezogen auf 4,5 Millionen Euro Umsatz. Personal hat mit 1.150.000 Euro den größten Anteil.

Wann rechnet sich eine Agentur?

Wenn Auftragsvolumen und Auslastung stark schwanken. Bei stabiler Auslastung sinkt der Vorteil, weil Agenturhonorare mit dem Volumen steigen.

Welche Prozesse ändern sich zuerst?

Redaktionsplanung und Anzeigenabwicklung. Beide brauchen im Agenturmodell verbindliche Briefings und feste Freigabetermine, sonst entstehen Verzögerungen.

Bleiben Rechte und Kundendaten im Haus?

Das hängt vom Vertrag ab. Wer Abodaten, Nutzungsrechte und Anzeigenkunden selbst hält, kann später den Dienstleister wechseln, ohne die Reichweite zu verlieren.

Wie wirkt sich der Personalmangel aus?

Verlage konkurrieren um Redakteure und Entwickler. Lange Vakanzen verzögern Produkte, während Agenturen Personal vorhalten und Kapazität schneller zusagen.

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