Redaktionswerkzeuge
Teil von Welche Redaktionswerkzeuge braucht eine kleine Fachredaktion?
Korrekturschleifen reduzieren: Struktur vor Formulierung festziehen
Korrekturschleifen reduzieren: Wie Redaktionen Struktur vor Formulierung festziehen, Ampel-Karten nutzen und Werkzeugpreise von 0 bis 20 Euro einordnen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Gliederung vor dem Formulieren mit Fachredaktion, Schlussredaktion und Produktion abstimmen.
- Korrekturregeln schriftlich als Ampel-Karte mit den Stufen Grün, Gelb und Rot festhalten.
- Dateinamen mit Projektkürzel, Versionsnummer und Bearbeitungsstation vergeben.
- Rot markierte Streitfälle sofort an die Fachredaktion geben, statt eine neue Runde zu starten.
Gliederung vor der ersten Zeile festziehen
Korrekturschleifen entstehen selten am Tippfehler. Sie entstehen, wenn die Gliederung erst am fertigen Manuskript diskutiert wird. Legen Sie Abschnitte, Zwischenüberschriften und geplante Abbildungen in einer Gliederungssitzung fest, bevor jemand schreibt. Am Tisch sitzen Fachredaktion, Schlussredaktion und Produktion.
Rückfragen zu Zielgruppe, Umfang und fehlenden Aspekten gehören in diese Sitzung. Wer die Struktur später ändert, macht jede geprüfte Passage erneut prüfpflichtig. Halten Sie das Ergebnis als Stichwortliste mit einem Abschnitt je Kernaussage fest. Wie Normen und Standards für Dokumentation und Prozesse aussehen, bündelt das DIN in seinen Normenausschüssen.
In fünf Schritten zur festen Struktur
- Stichwortgliederung anlegen, ein Abschnitt je Kernaussage.
- Zeichenumfang je Abschnitt festlegen, damit der Platz reicht.
- Zielgruppe und Tonalität einmal schriftlich bestimmen.
- Gliederung von Fachredaktion und Produktion freigeben lassen.
- Erst danach formulieren, spätere Strukturänderungen bekommen eine neue Versionsnummer.
Korrekturregeln als Ampel-Karte
Eine schriftliche Korrekturregel trennt erlaubte Änderungen von inhaltlichen Eingriffen. Grün darf die Schlussredaktion direkt ändern, Gelb wird beim Autor nachgefragt, Rot geht an die Fachredaktion. Das spart Rückfragen bei Formalien und schützt inhaltliche Entscheidungen.
| Ampel | Beispiel | Regel |
|---|---|---|
| Grün | Tippfehler in der Zwischenüberschrift | direkt ändern |
| Gelb | unbekannte Abkürzung im ersten Absatz | Langform einsetzen, Autor fragen |
| Rot | andere Zielgruppenansprache im Fazit | an die Fachredaktion eskalieren |
Die Karte ist in einer halben Stunde erstellt und keine Verlagsnorm, sondern eine hausinterne Vereinbarung. Entscheidend ist, dass Gelb und Rot Ausnahmen bleiben. Wächst die gelbe Spalte, fehlt meist eine Glossarregel.
Dateinamen mit Version und Station
Ein Name wie Entwurf_Mueller_v2_final_korrigiert.docx verrät nichts über den Stand. Vergeben Sie Projektkürzel, Versionsnummer und Bearbeitungsstation, etwa DE058-P12-S03_v3_Redaktion. Die nächste Station erkennt sofort, ob sie die richtige Fassung bearbeitet.
Die Versionsnummer steigt nur bei inhaltlichen Änderungen, die Station wechselt bei jeder Übergabe. Zuständigkeiten lassen sich technisch abbilden: Redaktionssysteme wie WoodWing bündeln Planung, Workflow und Freigabe in einer Oberfläche. Wer Softwarekosten vor dem Kauf prüfen will, findet bei der Verbraucherzentrale einen Überblick zu Apps und Software.
Werkzeuge für Formalien und ihre Preise
Formalprüfungen lassen sich auslagern. Drei Werkzeuge decken den Standardfall ab. Alle Preise sind Herstellerangaben in Euro brutto und können sich ändern.
| Werkzeug | Leistung | Preis pro Monat |
|---|---|---|
| LanguageTool | Rechtschreibung, Grammatik, Stil | 0 Euro Basis, rund 5 Euro Premium |
| PerfectIt | Konsistenz- und Checklistenprüfung | Jahresabo, umgerechnet rund 9 Euro |
| Duden Korrektor | Rechtschreibprüfung im Duden-Online-Paket | je Paket rund 5 bis 20 Euro |
Automatik findet doppelte Leerzeichen, inkonsistente Schreibweisen und falsche Anführungszeichen, aber keine falschen Aussagen. Legen Sie fest, welche Prüfung wann läuft, sonst entstehen neue Schleifen durch widersprüchliche Anmerkungen. Die Reihenfolge lautet: erst Formalprüfung per Werkzeug, dann inhaltliche Prüfung durch Menschen, zuletzt Schlussredaktion. Zwei Personen prüfen sonst dasselbe.
Der Markt bewegt sich: Der Digitalverband Bitkom bündelt Entwicklungen zu Märkten und Technologien für Verlage und Medienhäuser.
Rundenende und Eskalationsgrenze
Eine Korrekturrunde endet, wenn alle Punkte abgearbeitet sind und kein roter Punkt offen bleibt. Rot markierte Eingriffe entscheidet die Fachredaktion vor der Endfassung. Bleibt etwas strittig, gilt die Runde nicht stillschweigend als abgeschlossen.
Streitfälle gehören nicht in eine weitere Runde. Die Fachredaktion entscheidet inhaltlich, die Schlussredaktion setzt sprachlich um. Nach jeder Runde lohnt die Auswertung: mehrfach nachgefragte Abkürzungen deuten auf ein fehlendes Glossar, verwechselte Dateinamen auf eine unklare Konvention. Solche Muster gehören in die Ampel-Karte.
Beispielrechnung: zwei Runden weniger
Beispielrechnung: Ein Team aus drei Redakteuren braucht pro Korrekturrunde 90 Minuten pro Person. Bei intern verrechneten 60 Euro pro Stunde netto kostet eine Runde 270 Euro. Werden zwei Runden pro Monat eingespart, sinken die internen Kosten um 540 Euro pro Monat. Die Rechnung nutzt angenommene Stundensätze und ist keine Messung aus einem Verlag.
Häufige Fragen
Wie erstelle ich eine Ampel-Karte?
Drei Spalten genügen: Ampel, Beispiel, Regel. Tragen Sie Fälle aus der letzten Korrekturrunde ein und stimmen Sie die Karte mit Fach- und Schlussredaktion ab.
Was gehört in einen Dateinamen?
Projektkürzel, Versionsnummer und Bearbeitungsstation, etwa DE058-P12-S03_v3_Redaktion. Inhaltliche Änderungen erhöhen die Version, jede Übergabe ändert die Station.
Wann eskaliere ich eine Korrektur?
Immer bei Rot, also bei Eingriffen in Zielgruppe, Aussage oder Aufbau. Die Fachredaktion entscheidet, bevor die Runde endet.
Lohnt sich eine Prüfsoftware?
Bei mehr als zwei Texten pro Woche in der Regel ja. Sie erledigt Formalien in Minuten, die Inhaltsprüfung bleibt bei Menschen.
Was tun bei widersprüchlichen Korrekturen?
Es entscheidet die Rolle mit der höheren Stufe: Fachredaktion bei Inhalten, Schlussredaktion bei Sprache. Halten Sie den Fall in der Ampel-Karte fest.